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Fahrt auf dem historischen Heringslogger „BV2 Vegesack“ in der Kieler Förde

Mit unserem Sohn hatten wir abgesprochen, dass wir gegen 8Uhr bei uns in der JuHe gemeinsam frühstücken wollen. Er übernachtete mit seiner Familie im Hotel. In der JuHe übernachteten Orty und Gerard aus Holland ( die uns den Champagner mitgebracht hatten ), Maria und Helmut und Margitta und Werner und wir Beide natürlich. Elisabeth und ihr Mann Bertram übernachteten auch im Hotel. Bei Stefan verzögerte es sich etwas, aber wir hatten noch genug Zeit. Erst um 9:15Uhr mussten wir uns auf den Weg zum Liegeplatz des Heringsloggers machen. Unsere Rucksäcke mussten wir auch nicht packen, weil wir ja noch eine weitere Nacht hier verbringen würden. Pünktlich um 9:15 machten wir uns auf den Weg. Stefan mit Familie sowie unsere Freunde begleiteten uns zum Schiff. Es regnete immer noch ☹. Meine Schuhe und meine Regenjacke waren immer noch nass, aber um meine Sandalen nicht auch noch nass werden zu lassen, zog ich trockene Socken und die noch feuchten Schuhe an. Von Gerard bekamen wir einen Doppelschirm. Auf dem Weg hörten wir einen Pfiff, aber wir fühlten uns erst nach dem Dritten angesprochen. Es waren Elisabeth und Bertram, die über die aufklappbare Brücke über die Hörn kamen und sich uns nun anschlossen. Als wir das Schiff erreichten, waren schon einige Herzkinder mit ihren Eltern da und weitere trafen ebenfalls gerade ein. Sebastian (unser Vorstandskollege) erkannte und begrüßte uns natürlich gleich. Das sahen die beiden Presseleute und nahmen uns gleich für Bilder vor dem Schiff in Beschlag. Nun verabschiedeten wir uns von unserem Sohn, unserer künftigen Schwiegertochter und unserem Enkel, die nun wieder nach Berlin zurück fuhren. Auch Orty und Gerard verabschiedeten sich, sie hatten noch 450km nach Hause zu fahren (alle kamen gut daheim an). Die Überraschungen waren ihnen gelungen!
Dann wurden wir offiziell von der Crew und Prof. Kramer auf dem Schiff begrüßt. Dann ging es mit den Interviews weiter, während die Mannschaft das Schiff zum Auslaufen fertig machte. Leider regnete es immer noch, hatte aber etwas nachgelassen. Mit Maschinenantrieb legten wir ab, mussten aber noch ein paar Minuten warten, bis die Faltbrücke über die Hörn geöffnet wurde. Eine technisch sehr interessante und aufwändige Brücke. Sie faltet sich in drei Teile zusammen und macht die Durchfahrt für Schiffe und Fähren frei. Auf der Brücke gibt es Ampeln und akustische Signale und auch Schranken, damit kein Fußgänger herunterfallen kann. Zu bestimmten Zeiten wird die Brücke zusammengefaltet, will man außerhalb dieser Zeiten durchfahren, kostet es Geld. Der Mann am Ruder (von Beruf Lotse) ließ eines der Herzkinder das Steuerrad bedienen und gab, nach einer Schnelleinweisung was Backbord, Steuerbord und Mittschiff bedeutet, Kommandos an die junge Dame, die ihre Sache anscheinend ganz zu seiner Zufriedenheit machte. Die Fahrt ging raus auf die Kieler Förde, vorbei an riesigen Fähren und Kreuzfahrtschiffen. Daneben kam man sich wie eine Ameise vor. Weiter draußen, der Regen hatte fast aufgehört, kamen uns viele kleinere Segler entgegen oder quer, so dass immer wieder einer der Besatzung vorne (Bug😊) schauen musste, ob wir freie Fahrt hatten oder wir einem Segler ausweichen mussten, was auch ein paar Mal vorkam (auch auf der See gibt es Vorfahrtsregeln). Dann bekamen wir eine Schiffsführung und die Erläuterung über den früheren Zweck des Schiffes beim Heringsfang bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Während wir unter Deck waren, passierte uns anscheinend ein großer Containerfrachter, so dass unser Schiff zu schwanken begann. Ob das die Ursache für die beginnende Übelkeit bei Brigitte war, kann nicht mehr geklärt werden, jedenfalls ging sie lieber nach oben an die Luft wo sie auch den Horizont sehen konnte. Aber auch erfahrene Crew-Mitglieder erzählten, dass ihnen gelegentlich mal schlecht würde, das hänge von der Tagesform ab. Jetzt war es Brigitte zur Übelkeit auch noch kalt, so dass ich ihr meine (nicht benutzte) Softshelljacke zu ihren zwei Jacken anbot, was sie auch annahm. Zu dem Ganzen kam auch noch eine „angesammelte“ Müdigkeit, so dass sie die Fahrt nicht so richtig genießen konnte. Zum „Fische füttern“ kam es zum Glück nicht, aber viel hätte nicht mehr gefehlt! Dann wurde das Wetter besser und die Sonne kam heraus. Zu der Zeit waren bereits einige Segel gesetzt worden und wir fuhren mit Windkraft, bei dem schweren Schiff (allein 55 Tonnen Eisenbahnschienen waren im Bauch des Schiffes verladen, damit es stabil lag) war allerdings keine große Geschwindigkeit zu erwarten. Unter Deck wurden wir zwischenzeitlich sehr gut mit Speisen, Getränken, Kaffee und Tee versorgt. Später gab es sogar Kuchen zum Kaffee. Brigitte konnte allerdings gar nichts essen.
Toll war, dass die Crew alles gefragt werden konnte, sie erklärten alles sehr geduldig und überaus freundlich. Die Gruppe hatte zu Gunsten der Herzkinder und anläßlich unserer Ankunft in Kiel, auf zwei Tage ihres zehntägigen
Segelausfluges verzichtet, damit sie uns auf der Förde herumfahren konnten. Was für eine tolle Geste! Herzlichen Dank der gesamten Gruppe und Prof. Kramer sowie Frau Lindner, die das Ganze „eingefädelt“ hatten! Bei der Rückfahrt hatten wir Sonnenschein, aber Brigitte war dann doch froh, als wir nach fast sechs Stunden wieder festes Land unter den Füßen hatten. Die Herzkinder bekamen noch eine schöne Urkunde und wir verabschiedeten uns von allen, Crew und Herzkinder mit ihren Eltern.
Brigitte bekam nun langsam wieder ihre gesunde Gesichtsfarbe zurück und konnte dann auch mit uns zum frühen Abendessen gehen.

Hiermit ist nach zweijähriger Vorbereitung, 12 wöchiger Wanderung, 2027km, toller Unterstützung durch die besuchten Mitgliedsvereine, Gastfamilien, Mitgliedsfamilien, FOR-Kliniken, Herzzentren, MitarbeiterInnen der BVHK-Geschäftsstelle, allen sonstigen Unterstützern und Freunden die Durchführung des Projektes „Herz auf Reisen – herzkrank geboren, ein lebenslanger Weg“ abgeschlossen. Die Nachbetrachtung, Aufbereitung, Dokumentation sowie Vorbereitung von Vorträgen wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen und uns viele schöne, interessante und einmalige Erlebnisse wieder in Erinnerung rufen.
Vorerst mal allen Mitwirkenden, Unterstützern, Freunden und Spendern ein ganz herzliches Dankeschön und alles Gute
❤❤❤
Brigitte und Reiner

Tagesbericht von Reiner Gauß