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Zug nach nirgendwo – wohin wollen die drei denn fahren?

Nach den 34 und 36 km Etappen waren wir froh, heute nur 21,5 km vor uns zu haben. Christel wollte heute wieder mitwandern und ihren Mann sowie eine Freundin mitbringen. Wir waren auf 8 Uhr verabredet und sie waren schon 7:45 Uhr da. Ihre Stimmen konnten von unserem Zimmer aus hören. Aber Christel’s Mann konnte doch nicht mitkommen. Er hatte seine Hüfte gestern überlastet und musste heute pausieren. Doch Christel’s Kollegin Anne war mitgekommen.

Es ging kurz nach dem Hotel wieder auf den Vennradweg, dem wir ein Stück folgen konnten. Der Vennradweg (auch für Fußgänger erlaubt und geeignet) war eine ehemalige Eisenbahnlinie, die in einen Fuß- und Radweg umgewandelt wurde. Die Streckenführung ist deshalb sehr gleichmäßig, mit nur leichten Steigungen oder Gefällen. Ein altes Bahnhofshäuschen stand noch an der Strecke und die drei Damen stellten sich hinein; ob da wohl noch ein Zug kommen würde? Nee, da fährt keiner mehr 😊

Das Wetter war sehr schön, noch kühl genug zum Wandern, aber der blaue Himmel versprach einen warmen Tag. Die erste Pause machten wir nach etwa 8 km. Bis dahin hatten wir einen tollen Schnitt drauf, nämlich 5 km/h, was bei unseren Rucksäcken schon eine relativ hohe Geschwindigkeit ist. Am Rand einer Wiese standen 2 Büsche, die wie Kühe zurecht geschnitten waren. Auf dem weiteren Weg mussten wir die A44 unterqueren um danach in den Wald zu gelangen. Dort war es kühler und angenehmer zu wandern. In diesen Wäldern um Aachen herum, standen Pausenplätze, die wie übergroße Pilze aussahen. Darunter könnte man sich hinsetzen, aber nicht zueinander, sondern rund herum mit Blick in den Wald.

Dann wurden die beiden Mitwanderer abgeholt und wir waren wieder alleine im Wald. Es war wie im Leben, einige Menschen begleiten einem ein Stück und man trifft sie nie wieder, und anderen begegnet man mehrmals und freut sich schon darauf. Wir gingen also auf einem sehr schönen Waldweg weiter, der die zunehmend warmen Temperaturen etwas in Grenzen hielt. Im Aachener Außenbezirk angekommen, gönnten wir uns erstmal einen Kaffee und ich mir ein Eis :-). Dann waren es noch 30 Minuten bis zum Dom.

Am Domplatz angekommen, sahen wir schon eine rege Betriebsamkeit am Rotkreuz – Wagen, am Glücksrad und an der Luftballon-aufblasstation. Nachdem wir von Hermine begrüßt worden waren, wollte gleich der WDR seine Filmaufnahmen machen und uns anschließend einige Fragen stellen. Ein Radio-Reporter sowie eine Vertreterin eines Zeitung befragten uns auch noch. Der ärztliche Direktor der Kinderkardiologie, Prof. Dr. Kerst war ebenfalls anwesend und wurde von betroffenen Eltern und den Medien befragt. Die Printenbäckerei Nobis spendete die leckeren herzförmigen kleinen Printen, die an die Passanten verteilt wurden.

Prof. Dr. Kerst lud uns noch in die Aachener Universitätsklinik ein, wo mehrere Ärzte dazu kamen und Mitglieder des örtlichen Elternvereins sowie eine große Auswahl an belegten Brötchen und Getränke auf uns warteten. In dieser Runde fragten sie uns nach unseren Erfahrungen. Dabei wurde mir selbst erst richtig bewußt, wie viel wir schon erlebt hatten. Bei Hermine wurden wir dann vorzüglich untergebracht!

Tagesbericht von Reiner Gauß