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Michael Malina

Michael Malina

Diplom-Pädagoge und Systemischer Therapeut

Alle Teenager sollten sich mit Fragen wie Verhütung, Sexualität und Familienplanung beschäftigen, bevor sie sich zum ersten Mal verlieben und Sex haben. Wie wichtig ist Aufklärung bei Jugendlichen mit angeborenen Herzfehlern (AHF)?

 

„Wichtig. Ungewollte Schwangerschaften sind Lebensalltag für viele Jugendliche und bedeutet immer, Entscheidungen treffen zu müssen: für sich, für andere – für oder gegen ein Fortführen der Schwangerschaft. Und es sind nie leichte Entscheidungen. Wenn dann das eigene Leben schon eingeschränkt ist durch eine eigene Erkrankung, macht es dies nicht einfacher. Wird eine junge Frau ungeplant schwanger, bemerkt sie dies zum Teil länger nicht. Dies kann in Kombination mit den Medikamenten zu Komplikationen führen.
Ähnlich ist es bei sexuell übertragbaren Krankheiten. Die Behandlung und die zusätzlichen Medikamente sind nicht nur störend, sondern können einen Körper zusätzlich belasten.
Immerhin, die meisten Jugendlichen sind gut aufgeklärt und wissen an sich über Verhütungsmittel Bescheid. Lediglich bei den ersten Malen, interessanterweise auch bei neuen Partnern, ist man wohl etwas nachlässiger.
Und ein Hinweis an die Jungs: wenn eure Freundin schwanger wird, heißt dies auch für euch, nicht für nur Verantwortung für die eigene Erkrankung zu übernehmen, sondern auch für die Freundin und das Kind. Also zweimal nachdenken, ob ein Kondom nicht vielleicht doch Sinn machen könnte.“

An wen können Teenager mit AHF sich wenden?

„Generell sind nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz, §2 Absatz 1 alle anerkannten Beratungsstellen dafür da, alle Menschen zu Fragen der Aufklärung, Verhütung und Schwangerschaft kostenlos und anonym zu beraten. Überregional sind dies pro familia, die Diakonie, der Sozialdienst Katholischer Frauen, Donum Vitae oder die Caritas. Vereinzelt gibt es vor Ort kleinere Träger von Beratungsstellen. Wichtig ist, dass es anerkannte Beratungsstellen sind. Dies geht in der Regel aus dem Internetauftritt oder dem guten alten Telefonbuch hervor.
Manche wünschen sich bei Minderjährigen, dass die sie Eltern begleiten. Ansonsten beraten alle Ärzte zu diesem Thema. Manchmal mag dies aber auch peinlich sein. Viele Jugendliche bevorzugen die anonyme, unabhängige Beratung. Eine (anonyme) Onlineberatung von der guten Sorte gibt es bei www.sextra.de, www.sexundso.de, www.Loveline.de oder einfach mal bei den Internetauftritten der Beratungsstellen schauen.“

Welche Erfahrung haben Sie gerade mit herzkranken Jugendlichen gemacht?

„Nun ja, Beziehung und Sexualität ist bei uns immer wieder Thema. Im Vergleich zu Jugendlichen ohne chronische, oder lebensbedrohliche Erkrankung sind die Reflexion und die Vorsicht größer. Das Gefühl, alles richtig machen zu wollen, herrscht vor. Um ehrlich zu sein, würde ich mir manchmal wünschen, die Jungs und Mädchen wären etwas entspannter. Vor allem haben viele Angst, dass sie ihr Gegenüber aufgrund von OP-Narben oder der Erkrankung ablehnen könnte. Im Austausch stellen sie dann fest, dass sich dies nicht mit den Erfahrungen der anderen deckt. Aussagen wie, „das hat bei mir gar keine Rolle gespielt“ und “ wenn eine Narbe stört, ist es eh‘ der falsche Partner“ entlasten viele. Schwierig ist es immer, wenn das Gegenüber sich (unbegründet) Sorgen macht. Die Angst des Partners um die Erkrankung ist oft größer, als die der Jugendlichen selbst. Hier hilft nur: viel erzählen und aufklären. Und mal ehrlich, ist doch lieb, wenn der andere sich Sorgen macht. Nur halt nicht zu viel.“