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Stören E-Autos oder Smartphones die Funktion von Herzschrittmachern und implantierten Defibrillatoren?

Jedes Jahr bekommen immer öfter auch jüngere Patienten Implantate: mehr als 77.000 einen Herzschrittmacher und über 25.000 einen Defibrillator. Sie sind oft mit elektromagnetischen Feldern durch technische Geräte konfrontiert. Interferenzen können mit diesen aktiven kardialen Implantaten unterschiedliche Auswirkungen verursachen: eher harmlos wäre ein Moduswechsel des Herzschrittmachers, schwerwiegend jedoch eine inadäquate, schmerzhafte Schockabgabe bei implantierten Defibrillatoren (ICDs), was heutzutage nur noch selten vorkommt. Viele Patienten schränken sich aber aus Furcht vor Interferenzen im Alltag unnötig ein. Sie sollten im Umgang mit elektrischen Alltagsgeräten laut einer Stellungnahme DGK* und DGAUM* Vorsicht walten lassen:

 

  • Mobiltelefone: nur wenn das Handy direkt auf die Hautstelle gelegt wird, unter der sich das Implantat befindet, treten in sehr seltenen Fällen Störungen auf. Zu induktiven Ladestationen hingegen sollten Schrittmacher- und ICD-Träger mindestens 10 cm Abstand halten.
  • Kopfhörer oder Lautsprecher: deren Dauermagnete können Störungen an Herzschrittmachern und Defibrillatoren erzeugen und sollten niemals direkt auf der Stelle platziert werden, an der das Gerät implantiert ist.
  • Diebstahlsicherungen in Geschäften: im Magnetfeld der Ein- und Ausgangsbereiche von Kaufhäusern sollten sich Device-Träger nicht unnötig lange aufhalten. Sie sollten wegen akustomagnetischen Diebstahlsicherungen einen Abstand von 60-40 cm einhalten.
  • Metalldetektoren an Flughäfen: sind ohne Risiko für Implantat-Träger.
    Hybrid- und Elektrofahrzeuge: können gefahrlos genutzt werden.
  • Stromleitungen: zur Vermeidung von Interferenzen sollte ganz besonders auf eine korrekte Erdung von elektrischen Geräten geachtet und defekte Haushaltsgeräte entsorgt werden. Hochspannungsleitungen oder Erdkabel können sicher unter-bzw. überquert werden.
  • Induktionsherde: vor Schrittmacher-Patienten und ICD-Träger sollten lediglich mindestens 25 cm zwischen Implantat und Induktionsherd Abstand einhalten.
  • Berufliche potentielle Gefahrenquellen nach Implantation, z.B. bei einer Arbeit mit technischem Gerät oder starken Permanentmagneten sollte in enger Abstimmung zwischen Arbeitgeber, Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit beurteilt werden.

 

Keine Empfehlungen können bisher zu neuen Implantaten wie elektrodenfreien Herzschrittmachern oder rein subkutanen Defibrillatoren gegeben werden, da noch keine ausreichenden Daten vorliegen.

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM)

 

iStock/paperkites