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Organspende war lange Zeit kein Thema für mich.
Bis ich begriffen habe, dass ich wohl in Folge meines Hypoplastischen Rechtsherzsyndroms irgendwann einmal selbst ein Spenderherz benötigen könnte. Ich sah mich mit Fragen und Zweifeln konfrontiert, die ich selbst jetzt noch in mir trage und die ich eigentlich nie erfahren wollte:

  • Woher weiß ich, dass es mir mit einem neuen Organ bessergeht?
  • Wie lange werde ich darauf warten müssen?
  • Will ich es überhaupt?
  • Was, wenn es abgestoßen wird?
  • Was, wenn es mir eine Zeit lang damit ziemlich gut geht und es dann irgendwann soweit wäre, dass es von meinem Körper als „fremd“ angesehen würde?
  • Was würde sich für mich ändern?
  • Was bliebe von meinem bisherigen Leben? Und so vieles mehr.

Dazu kommen dann noch die Fragen, die mir niemand beantworten kann oder eben keiner beantworten will:

  • Was würde passieren, wenn ich sterben sollte?
  • Was wird dann aus meiner Familie, aus meinem Freund und meinen Freunden?

Sofern der Spender dabei nicht sein Leben lassen musste, wäre es eher zu verkraften. Doch wenn man weiß, dass derjenige, der das Herz bzw. die Lunge gespendet hat, sein Leben dafür gelassen hat, auch wenn er sicherlich nicht wegen des Empfängers gestorben ist, ist das trotzdem ziemlich traurig und beklemmend. Ich würde demnach vom Tod eines anderen Menschen profitieren. Ich könnte, weil ein Mensch gestorben ist, mein Leben weiterleben. Und dieser Mensch hatte Menschen, die ihn geliebt haben. Was wird aus diesen Menschen? Werden sie sich darüber freuen, dass ein Teil der verstorbenen Person in mir weiterlebt?

Doch diese und viele weitere Fragen würde man mir nie beantworten können.

 

Informationsgespräch zur Herz-Lungentransplantation

All diese Dinge sind für mich viel näher gerückt, als ich es zulassen wollte. Vielleicht wäre ich dankbar gewesen, doch verschaffte mir der Gedanke an eine Transplantation Übelkeit und Angst. Als ich dann ein Gespräch zur Herz-Lungentransplantation hatte, bekam ich ein Info-Blatt über Risiken und Nachsorge. Darin las ich, dass die Überlebensrate folgendermaßen aussieht: im ersten Jahr liegt sie bei einer Herz-Lungentransplantation bei 61%; nach 5 Jahren bei 41% und nach 10 Jahren noch bei 26%. Da nicht nur das Herz, sondern auch die Lunge hätte transplantiert werden müssen und ich außerdem noch eine Skoliose (Wirbelsäulenverkrümmung) habe, hielten die Chirurgen eine Transplantation für zu riskant. Wäre die Wirbelsäule nicht so sehr verkrümmt, hätte es möglicherweise funktioniert. Aber es ist, wie es ist und deshalb versuche ich auch, das zu akzeptieren und damit umzugehen. Ich habe noch so viel im Leben vor und auch wenn ich noch nicht viel hinbekommen habe in meinen 27 Jahren, so weiß ich doch, dass mir ein Leben im Krankenhaus nie und nimmer das bieten kann, was es mir außerhalb dieser Mauern bietet. Ich hätte diese Zeit des Zweifelns, meiner inneren Unruhe und Angst nie ohne meine Familie und meinem Freund überwunden.

Transplantation aufgrund meines Herzfehlers nicht möglich

Man braucht Menschen in seinem Umfeld, die einem Halt, Hoffnung und Mut zusprechen.

Vielleicht bin ich nicht so erfahren wie die starken Menschen, die schon so viele Operationen und Rückschläge hinter sich haben. Und doch weiß ich, dass ich kämpfen muss und es hat sich schon immer zu kämpfen gelohnt, also werde ich nicht damit aufhören. Ich werde mit meinem Herzfehler auskommen müssen, denn eine Transplantation ist aufgrund meines Herzfehlers nicht möglich. Deshalb rate ich an euch: Wir haben nur dieses eine Leben, also kämpft für eure Wünsche, Ziele!

 

 

Irina Jarosch
(Name geändert)