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Der Pflegenotstand betrifft nicht nur ältere Menschen, auch Kinder leiden unter dem gravierenden Personalmangel. Lebensnotwendige Operationen müssen mehrfach verschoben werden, mit dramatischen Folgen für die ganze Familie. Der Pflegenotstand auf Kinderintensivstationen begann schon vor einigen Jahren, passiert ist bisher nichts.

 Eltern herzkranker Kinder berichten von ihren Erfahrungen mit verschobenen Operationen:

„Unsere Tochter ist 4 Jahre alt und ist mit einem Herzfehler (Trikuspidalatresie) geboren. Es heißt, dass sie mindestens 3 Operationen am offenen Herz braucht, um ein fast normales Leben führen zu können.
Der jetzige Intensivpflege-Notstand in Deutschland ist für uns besonders besorgniserregend, da unsere Tochter bereits mehrere Wochen auf Intensivstationen verbracht hat und wahrscheinlich noch mehrere Wochen oder Monate in ihrem Leben dort verbringen wird.

Bis jetzt haben wir „nur“ eine Verschiebung einer Operation erleben müssen. Es war für die Glenn OP (die zweite notwendige Operation, als unsere Tochter 6 Monate alt war). Sie war zum Glück zu klein, um es zu verstehen. Es ist aber in unserem Kopf noch sehr präsent, wie wir uns damals gefühlt haben. Wir hatten alles organisiert (Urlaub, damit der Papa dabei sein kann: Ferienwohnung, weil man nicht auf der Intensivstation bei dem Kind übernachten darf; Großeltern aus Frankreich anreisen lassen, um Unterstützung zu bekommen). Unsere Tochter lag schon stationär untergebracht, der Zugang wurde schon gelegt, alle Untersuchungen waren durchgeführt, damit die OP am nächsten Vormittag stattfinden kann. Gegen 16 Uhr abends haben wir erfahren, dass die Operation ohne Ersatztermin verschoben wurde.

Wie erwähnt, war unsere Tochter zum Glück nur 6 Monate alt und hat dieses Chaos nicht mitbekommen. Es war für uns aber sehr schwierig, sowohl für die Nerven, als auch, weil die gesamte Vorbereitung und Organisation hinfällig war.“

Bei der letzten Operation im Februar 2018 war sie bereits 3,5 Jahre und wir haben sie einen Monat vorher mit Büchern und Gesprächen beim Psychotherapeuten für die Operation vorbereitet. Diese ganze Zeit war schon sehr belastend für sie und für uns. Zum Glück wurde der Termin eingehalten. Jetzt ist unsere Tochter vollständig operiert. Wir wissen aber nicht, was die Zukunft bringen wird. Wir wissen, dass es sicherlich schwierige Zeiten und wahrscheinlich Komplikationen geben wird und wir hoffen, dass es immer ein Bett für sie auf einer Intensivstation geben wird, wenn sie es braucht. Und dass sie auch, falls sie ein Notfall sein sollte, rechtzeitig operiert werden kann.

 

Marie C.

Mama von Zoe, im Kinderherzzentrum G. operiert

„Auch wir mussten die Erfahrung machen, dass unsere OP verschoben werden musste. Im November 2015 kristallisierte sich heraus, dass unser Sohn einen erneuten Eingriff am Herzen benötigte. Im Vorfeld war er bereits sechsmal operiert worden und bis auf einen Eingriff fanden alle OPs zum geplanten Termin statt. (Nur das Einsetzen seines Herzschrittmachers war 2011 kurzzeitig verschoben worden, aber das lag an einer bestehenden Lungenentzündung meines Sohnes und nicht am Pflegenotstand).

Im Januar 2016 erhielten wir telefonisch den Termin, die Operation sollte am 23.02.2016 stattfinden. Ein paar Tage vor dem geplanten Termin wurde ich von einem Arzt der Intensivstation angerufen, dieser schob den Eingriff drei Tage nach hinten, weil die ITS voll sei. Danach wurde mein Kind leider krank und so mussten die Folgetermine noch ganze zweimal verschoben werden. Schließlich erhielten wir einen neuen Termin für den 18. April. Doch auch dieser wurde vom Kinderherzzentrum zwei Tage nach hinten – also auf den 20.04. – verschoben, als Grund wurde erneut angegeben, dass die ITS voll sei.

Am 19. April folgten alle Untersuchungen und Aufklärungsgespräche und am Morgen des 20., kurz vor acht Uhr, teilte man uns schließlich mit, dass die OP wieder abgesagt werden musste, dieses Mal wegen eines Notfalls. Am 21. fand sie dann endlich statt. Auf der ITS waren zu diesem Zeitpunkt einige Betten frei. Ich nehme also an, dass es auch in unserem Fall am Pflegenotstand lag, dass der Eingriff verschoben wurde.

Sie können sich sicher vorstellen, was diese Monate der Ungewissheit und des Wartens für uns bedeuteten. Man stellt sich immer wieder auf diese schlimme Situation ein, organisiert eine Betreuung für das Geschwisterkind, sagt in der Schule Bescheid, besorgt sich eine Unterkunft, nur um dann zu erfahren, dass wieder nichts aus der geplanten OP wird. In unserem Fall kommt noch dazu, dass ich jedes Mal Todesangst litt, denn kurz nach dem letzten Eingriff war unser Sohn beinahe gestorben. Ich mache niemandem einen Vorwurf. Aber es muss sich etwas ändern, denn so ist es für uns Eltern untragbar geworden.“

Kerstin S.

…ich möchte von unseren Erfahrungen mit dem Pflegenotstand auf Kinderherzintensivstationen berichten. Unser Sohn Ruben hat das hypoplastische Linksherzsyndrom und wurde mit seinen 14 Monaten bereits zwei Mal am operiert. Dies sind Operationen, die einen Aufenthalt auf einer Kinderherzintensivstation mit sich bringen. Bei seiner zweiten Op am 28. Februar 2018 war er der letzte Patient der operiert wurde, bevor Betten wegen Personalmangel gesperrt wurden. Tagelang lag er alleine in einem Zimmer, dass eigentlich für vier frisch operierte Herzkinder gedacht ist. Was diese OP-Verschiebung für die Familien für eine psychische Belastung ist, ist furchtbar. Die Kinder brauchen diese lebensnotwendigen Operationen. Die Technik ist vorhanden, aber das Personal fehlt!

Unser Ruben wird Ende 2019 / Anfang 2020 nochmals operiert werden müssen. Die aktuelle Pflegesituation macht mir große Angst, auch wenn wir bisher Glück hatten. Doch darauf kann ich mich für die nächste Operation nicht verlassen. Die Pflegekräfte geben alles um auch unter schwersten Arbeitsbedingungen die Kinder bestmöglich zu pflegen. Ich wünsche mir so sehr, dass endlich etwas passiert!“

Daniela H.

istock/KatarzynaBialasiewicz

Petition Kinder in Gefahr - Pflegenotstand stoppen

Bitte unterzeichnet unsere Petition, teilt und leitet sie weiter und helft uns so, diesen dramatischen Missstand an die Öffentlichkeit zu tragen!

Diese Unterzeichner haben uns bereits unterstützt:

„Die Herz-Op meiner Tochter ist genau aus diesem Grund mehrfach verschoben worden. Das war für uns alle eine fürchterliche Zeit!“

Polly W., Bonn

„Die lebensnotwendigen Operationen meiner 3-jährigen Tochter werden immer weiter hinausgeschoben, auch auf die Gefahr hin, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert.“

Melanie B., Oldenburg

„Mein Kind ist schwerst herzkrank und wir mussten es erleben, mehrere Stunden mit dem Notarzt nach einer Klinik zu „suchen“, die uns aufnimmt, weil keine entsprechenden Betten frei waren!“

Ramona K., Dietmannsried

„Wir waren mit unserem Sohn über ein Jahr auf der Intensivstation und haben schon vor Jahren den Pflegenotstand live miterlebt. Viele Betten blieben wegen Personalmangel leer.“

N.N, Billigheim

„Unser Kind hat einen schweren Herzfehler. Wir kennen die Zustände in den Krankenhäusern. Unsere OP ist auch auf Grund dessen verschoben worden.“

Sarah V., Petersberg

„Wir haben selbst ein herzkrankes Kind. Eine geplante OP konnte aufgrund des Pflegenotstandes nicht durchgeführt werden.“

Christiane E., Mittelangeln